AfD und Union scheinen es für ein Argument zu halten Herrn Habeck Wirtschaftskompetenz abzusprechen weil er Kinderbuchautor ist.
Dem wird man wohl zustimmen können. Der entscheidende Punkt ist jedoch daß Herr Habeck sich dessen - gerade weil er Kinderbuchautor und nicht Professor der Betriebs- oder Volkswirtschaft ist - ebenfalls bewußt sein dürfte.
Er wird folglich das tun was jeder vernünftige Mensch tut, der sich mit Aufgaben konfrontiert sieht, denen er aus seiner eigenen Kompetenz heraus nicht gewachsen ist: Er wird Leute fragen die sich damit auskennen. Diese Leute tragen die Berufsbezeichnung Staatssekrätär und es ist deren Job ihren Vorgesetzten als "Wasserträger" mit ihrer einschlägigen fachlichen Kompetenz bei ihrer Entscheidungsfindung beizustehen.
Die eigentlichen "Problembären in Revier" sind nämlich Andere: Jene mit der Überzeugung daß Menschen die viel Geld verdienen auch viel von Wirtschaft verstehen.
Dieser Zusammenhang ist allerdings ebenso "zwingend" wie die Annahme daß Jemand der einen Führerschein fürs Auto hat auch Ingenieur oder wenigstens Automechaniker sei.
Das eigentlich Gefährliche an solchen Trugschlüssen ist daß sie dazu verleiten die eigenen Kompetenzen maßlos zu überschätzen.
Dabei ist das Prinzip von Geld-Verdienen eine Sache die im Grunde bereits ein 8-Jähriger begreift: "Wenn man nachher mehr hat als zuvor; Dann hat man was verdient."
Die meisten die Geld verdienen verstehen nämlich nicht viel mehr von Wirtschaft als ein 8-Jähriger. Sie verstehen wahrscheinlich vollkommen andere Dinge. Sie sind vielleicht beredte Verkäufer; Leute die irgend eine Dienstleistung erbringen können; Leute die Dinge produzieren oder Organisationstalent besitzen die Arbeit anderer zu koordinieren.
Bereits der Blick in die Hörsäle der Wirtschaftsfakultäten der Unis macht deutlich daß der bei weitem überwiegende Teil der Studierenden kein originär-akademisches Interesse mit bringt.
Kaum Einer studiert Wirtschaftswissenschaften weil er sich mit er Entwicklung neuer Theorien oder der Gewinnung bahnbrechender Erkenntnisse vielleicht einmal als Kandidat für den Wirtschaftsnobelpreis empfehlen möchte.
Man studiert BWL (Betriebswirtschaftslehre) und hakt das beim Studium enthaltene Minimum an VWL (Volkswirtschaftslehre) eigentlich nur notgedrungen ab.
Also selbst von denen, die tatsächlich etwas (mehr) von Wirtschaft verstehen könnten - es ansatzweise auch tun - bewegen sich die Meisten in den Gedankenbahnen eines 8-Jährigen. Nur daß sie sich nicht dabei belassen vorher und nachher einfach das Geld zu zählen.
Das Problem ist jedoch daß - ganz egal wie komplex man an betriebswirtschaftliche Fragen heran geht - es letztendlich nur darum geht zu verstehen wie - und zusehen daß - man Geld verdient; Wie man sich bei komplexeren Zusammenhängen in einem Betrieb und seiner Buchführung Überblick verschafft und diesen möglichst behält und welche rechtlichen Bestimmungen dabei zu berücksichtigen sind.
Wenn ein Betrieb - aus welchen Gründen auch immer - kein Geld mehr verdienen kann? Dann wird er eben verkauft oder liquidiert. Alle Menschen die dort vorher Geld verdient haben müssen sich dann eben anderweitig orientieren.
Spätestens hier sollte es eigentlich Jeder verstanden haben: Politik kann und darf nicht so gemacht werden. Ansonsten hat man eine Regierungspolitik die auch wie eine Unternehmensführung handelt.
Das kann dann bedeuten daß kurz- und vielleicht mittelfristig erzielbare Effekte oder Gewinne wichtiger erscheinen als die Frage ob eine komplette Volkswirtschaft ihren Bankrott entgegentaumelt.
Und genau das ist das Problem mit den meisten dieser selbsterklärten sogenannten "wirtschaftsfreundlichen" Parteien. Sie haben größtes Verständnis für den Wunsch der Wirtschaft Geld zu verdienen. Das ist per se noch nicht verkehrt. Es wird aber zum Problem wenn Geld nicht mehr durch technischen Vorsprung und Innovationen und Investitionen als Voraussetzung verdient werden soll - sondern es primär darum geht aus bereits getätigten Investitionen noch möglichst lange Vorteile ziehen zu können.
Denn genau das ist etwas das betriebswirtschaftlich durchaus Sinn ergeben kann. Für eine Volkswirtschaft aber fatal ist.
Es ist nämlich gerade die Aufgabe von Politik - ES WÄRE DIE AUFGABE VON POLITIK - die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft - für die Unternehmen zu setzen.
Und Rahmenbedingungen das ist eben nicht NUR die Bereitstellung von Infrastruktur oder anderen Geschenken.
Es geht darum festzulegen "wohin die Reise gehen" soll - oder muß - und für diese "Reise" den Unternehmen Planungssicherheit zu geben.
Gute Wirtschaftspolitik hieße also dort zu lenken wo es der Markt mit seiner rein betriebswirtschaftlich geprägten Art zu denken gar nicht leisten kann - und es folglich auch nicht - nicht freiwillig - tut.
Der Unternehmer wird immer der Überzeugung sein daß Energie und Rohstoffe "viel zu teuer" sind; Weil sie nun einmal Kosten-Faktoren sind. Der Unternehmer wird auch immer der Überzeugung sein daß die Lohnkosten und Steuern "zu hoch" und Umweltauflagen per se "Teufelszeug" seien.
Es kann also gar nicht Aufgabe von Politik sein den "Wunschzettel" der Wirtschaft zu erfüllen.
Es ist sogar so daß es die Erfüllung der Wunschzettel wäre, die letztendlich die gesamte Wirtschaft ruinieren würde.
Denken wir uns mal spaßeshalber daß es gelänge die Lohnkosten abzuschaffen. Sei es durch die Wiedereinführung der Sklaverei oder eine vollständige Automatisierung. Wer hätte dann noch Geld um die Produkte zu kaufen?
Mit billiger/subventionierter Energie wäre es ähnlich. Die Versorgungsprobleme sozialistischer Staaten beruhten ja ganz wesentlich darauf daß die (zu) niedrigen Preise staatlich verordnet waren.
Es geht darum für alle Unternehmen faire Wettbewerbsbedingungen zu gewährleisten.
Wenn die Kosten für Energie, Rohstoffe; Wenn die Standards für Löhne und Umwelt für Alle gleich sind - dann werden jene Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil haben die besonders (betriebs-)wirtschaftlich handeln.
Nur dann liegt der marktwirtschaftliche Wettbewerb dort wo er auch hingehört: Auf den Markt und somit mittelbar in die Unternehmen selbst.
Der einzelne Unternehmer mag dann gerne beim Personal, bei Innovationen und Investitionen sparen um dadurch seine Gewinne zu steigern. Es wird jedoch andere Unternehmer geben welche die sich abzeichnende Marktlücke als Chance erkennen und als solche auch wahr nehmen. Unternehmer welche Fachkräfte mit besseren Löhnen und Arbeits- und Aufstiegsbedingungen zu sich ziehen, welche mit ihren Arbeitern und Angestellten nicht billigere sondern vor allem bessere - wirtschaftlichere - oder anderweitig attraktivere Produkte anbieten.
Während der Eine noch seine "Gewinne maximiert" - wächst bereits eine Konkurrenz als wirtschaftliche(re) Alternative heran.
Der ideale Besetzung als Wirtschaftsminister wäre - so wie wohl bei jedem einflußreichen Posten ein rennomierter und ideologisch möglichst unbefangener Wissenschaftler.
So funktioniert aber Demokratie nicht. Demokratie baut auf der Einsicht der Entscheidungsträger in ihre tatsächlichen - ihre objektiven - Kompetenzen.
Und Demokratie basiert auf dem menschlichen Urteilsvermögen der Wähler was die charakterlichen Eigenschaften ihrer gewählten Vertreter anbelangt.
Sprücheklopfer oder Lügner - Selbstgefällige arrogante Blender - sollte man besser nicht wählen. Weil solche Menschen die besten Voraussetzungen mitbringen um Schaden anzurichten.
Es käme eben darauf an daß jemand Charakter hat und auch über genügend Bescheidenheit oder Demut verfügt um wenigstens zu wissen "was er nicht weis". Einem Menschen der Bücher für Kinder schreibt - dem traue zumindest ich diese Charaktereigenschaften eher zu als Jenen, die im "Kinderautor-Sein" einen Makel erkennen wollen.