Konstruktiv sind die klassichen Schwedischen (zweikuppigen) Dachziegel gemacht um "Ersatz" für das Holzschindel-Dach sein zu können.
Konkret sah dieses "Ersetzen" in der Regel so aus daß einfach auf ein älteres Schindeldach die das Ziegeldach tragende Lattung aufgenagelt wurde.
Dieses "Haupteinsatzgebiet" bedingte daß die klassischen Schwedischen Dachziegel im Vergleich mit Niderländischen/Deutschen Dachpfannen wesentlich toleranter Unebenheiten "auffangen" können.
(Bemerkenswert in diesem Zusammenhang: In Regionen in denen ursprünglich Stroh-Dächer vorherrschten setzten sich auch in Schweden andere Dachziegel-Modelle durch. Ganz einfach deswegen weil es nicht möglich/praktikabel gewesen wäre ein Ziegeldach direkt auf ein vorhandenes Strohdach zu legen.)
Diese ursprünglichen (und auch entstehenden) Unebenheiten auf Dächern erweisen sich vor allem im Zusammenhang mit Blech-Eindeckungen als Problem. Die Grundlage für eine Eindeckung mit korrugiertem Blech muß nicht nur flächig-eben sondern auch rechtwinklig sein.
Diese konstruktive Voraussetzung bewirkt daß Blechdecher auf alten Gebäuden nicht slten wie aufgesetzte Fremdkörper erscheinen und damit den Gesamteindruck ruinieren.
Optisch unterscheidet sich das Ziegeldach von Blechdächern auch dadurch daß es buchstäblich "lebt"; Durch den Bewuchs mit Flechten eine natürliche, dem jeweiligen Standort entsprechende "Patina" entwickelt. Auch gleicht - zumindest bei älteren Ziegeln - nicht jeder einzelne Ziegel allen anderen.
Im Vergleich mit Betonziegeln erscheinen Tonziegel wesentlich "leichter" - also nicht "massig und plump".
Auch die farbliche Erscheinung des reinen Tonziegels wirkt organisch; Natürlich-matt; Und sie verändert sich auch nicht mit der Zeit durch UV-Strahlung und Witterung.
Das Herrliche am Ziegeldach ist daß es trotz seiner ästhetischen Vorzüge nicht viel Unterhalt erfordert.
Etwas mehr nur im Wald, wo Nadeln, Laub und auch kleine Ästchen auf die Dächer niedergehen und es an starkem Wind fehlt, der diese herunterbläst. Wo sich in Schattenlagen Feuchtigkeit länger hält und dort die Ansiedlung von Moosen begünstigt.
Dächer die regelmäßig und schnell abtrocknen sind auch im Wald pflegeleicht. Hier genügt es sie alle paar Jahre mal bei trockenem Wetter "abzukärchern" - wobei es beim Einsatz des Hochdruckreinigers nicht im eigentlichen Sinn darum geht die Ziegel zu säubern - sondern mit Hilfe des Luftstroms lose Nadeln und Blätter herzunterzublasen. Das Wasser nimmt lediglich noch den (Blüten-)Staub mit.
Mehr Arbeit machen Dächer mit Moosbewuchs. Bei diesen hat sich ein an einer langen Latte befestiger Handbesen mit steifen Borsten bewährt. Mit diesem lassen sich die einzelnen Rillen der Ziegelreihen durch Vor&zurück-schieben reinigen und Laub/Nadeln/Mosse zumindest weitgehend herunterziehen.
Auch weil eine vollständige Reinigung nicht gelingt sind das Dächer die regelmäßig gesäubert werden.
Die Reinigung erfolgt vorzugsweise im Herbst nach dem die Laubbäume ihre Blätter abgeworfen haben. Es geht beim Reinigen weniger um die Optik als darum die Ziegel vor den anstehenden Frostwechseln so leicht-trocknend wie möglich zu halten. Dauernasse Ziegel neigen eher dazu vom Frost gesprengt zu werden.
Regelmäßige Reinigung und Kontrolle besonders gefährdeter Dächer helfen weiter-fressende Schäden in Folge schadhafter Ziegel zu vermeiden.
Bei freistehenden Gebäuden genügt eine jährliche Sichtkontrolle weil hier keine Verunreinigungen und Moose die Sicht auf die Ziegel verdecken.
Wo sich mehr Laub/Nadeln und ggf. auch Mosse ansammeln erfolgt die Sichtkontrolle im Zuge der Reinigung. Schadhafte Dachziegel werden dann ggf. ersetzt.
Dachziegel werden hier - schon wegen des Kostenvorteils - grundsätzlich gebraucht gekauft. Während ein einziger neuer Tonziegel rund 30 Kronen kostet, zahlt man für Gebrauchte zwischen 1 und 5 Kronen. Für eine mittelgroße Hütte muß man rund 500 Ziegel veranschlagen - Die Frage ist also ob man 15.000 Kronen für die Dacheindeckung bezahlt oder zwischen 500 und 2.500 Kronen.
Mit gebrauchten Ziegeln liegen die Kosten also sogar unter den Kosten für ein Blechdach; Haben jedoch die selbe ästhetische Wertigkeit wie ein neues Ziegeldach.
Die vorhandene natürliche Patina spricht sogar eher für die Gebrauchten. Bis sich auf neuen Ziegeln Flechten ansiedeln vergehen Jahrzehnte!
Da es die in Schweden gebräuchlichen Dachziegel in vielen (auch lokal) unterschiedlichen Maßen gibt - lohnt sich eine übersichtliche Vorratshaltung.
Diese erlaubt es auch beim Eindecken von Gebäuden eine zahlenmäßig passende Charge zu wählen.
Ein positiver Nebeneffekt von Ziegeldächern ist daß sich Ziegelbruch, der beim Transport, beim Hantieren oder durch den Zahn der Zeit anfällt, an Ort und Stelle sinnvoll zur Ausbesserung von Fahrwegen eingesetzt werden kann.
Ein absolutes und zudem sinnloses "No-Go" bei Ziegeldächern ist der Anspruch diese "möglichst fabrikneu" erscheinen zu lassen. Sei es durch "hartes Abkärchern" oder das Anbringen von Kupferlementen deren Oxidationsprodukte Algen/Flechten und auch Moose vergiften.
Die Folge solcher "Aufhübschungen" ist letztendlich nur daß danach andere Alterungserscheinungen in den Fokus geraten und man sich damit selbst eine "Arbeitskaskade" aufhalst.
Das größte Geschenk eines alten Hauses an seinen Besitzer ist daß sich kleinere optische Mängel "verspielen". Nicht jeder "Vogelschiß" schreit hier sofort nach Jemandem der den Kärcher aus dem Keller holt... Nicht jede Verwitterungserscheinung fordert umgehend einen neuen Anstrich... Nicht jedes Nagen vom Zahn der Zeit nötigt zu einem Baumarktbesuch.
Beim alten Haus muß man nur das wirklich Notwendige erledigen - ansonsten macht man nur das was einem Freude macht.